"Wir fangen nicht bei Null an"

Interview mit dem Präsidenten der Schweizerischen Willibrord-Gesellschaft

Pfr. Klaus Heinrich Neuhoff ist der erste Präsident der neu gegründeten Schweizerischen Willibrord-Gesellschaft. Er stammt aus Deutschland, aber er hat auch einige Zeit in England studiert, daher ist es nur natürlich, dass ihm die Beziehungen zu den Anglikanern am Herzen liegen.

Welche anderen nationalen Willibrord-Gesellschaften kennen Sie, und was sind ihre inhaltlichen Schwerpunkte?

Die englische Willibrord-Gesellschaft ist die älteste: sie wurde 1908 gegründet. Sie ist es auch, die meinen Studienaufenthalt in England (1993/1994) grosszügig finanziell unterstützt hat. Auch die anglikanisch-altkatholischen Seminare der letzten Jahre wurden von ihr gefördert. Jedes Jahr am 7. November, dem Tag des Hl. Willibrord, findet in London ein Festival statt.

Die deutsche Willibrord-Gesellschaft gibt eine Zeitung heraus: die Willibrord-News. Diese Zeitung informiert über alles, was die anglikanisch-altkatholischen Beziehungen betrifft. Besonders enge Kontakte bestehen in Berlin.

In den Niederlanden habe ich einmal einen Vortrag zum Thema erlebt. Auch in Österreich bestehen enge Kontakte: wer die österreichische Kirchenzeitung liest, wird dies bestätigen können. In Tschechien gehören die anglikanischen Kirchgemeinden sogar zur altkatholischen Synode!

Welche Schwerpunkte sehen Sie für die neu gegründete Schweizerische Willibrord-Gesellschaft als wichtig an?

Ich halte die gegenseitige Information zunächst für vordringlich: Wo kann ich einen Gottesdienst der jeweils anderen Kirche besuchen? Wo sind die Kirchgemeindehäuser, und welche Aktivitäten gibt es in meiner Nähe? Auf solche Fragen sollten das Jahrbuch, das Kirchenblatt und die entsprechenden englischen Publikationen stets aktuell informieren. So wird es erst möglich, Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu pflegen.

Als Präsident wird es Ihre Aufgabe sein, der Mitgliederversammlung einen Bericht abzugeben. Welche erfreuliche Neuigkeit würden Sie gern der nächsten Mitgliederversammlung berichten?

Wenn wir aus jeder Kirchgemeinde mindestens ein Mitglied gewinnen können, wäre das eine sehr erfreuliche Nachricht. Aber auf der anderen Seite geht es auch darum, dass wir uns bewusst machen: wir brauchen nicht bei Null anzufangen! Viele Christkatholiken und Anglikaner haben Erfahrungen mit der jeweils anderen Kirche, zum Beispiel durch Besuche in England oder den U.S.A. Wenn diese Gemeindeglieder darüber berichten oder erzählen, was sie erlebt haben, kann an eine alte, traditionsreiche Beziehung heute weiter angeknüpft werden.

Auch im Bereich der christkatholischen Kirchenmusik wurde offenbar schon viel für das Einander-Näherkommen getan, wie ich gelesen habe. Wir haben die Melodien vieler Lieder gemeinsam. Vielleicht wird ja irgendwo auch ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert, zum Beispiel um 2. Juli herum, dem 70. Jahrestag der Bonner Interkommunions-Vereinbarung.