2. September 2006


Grusswort zum 75-Jahr Jubiläum des Bonn Agreement zwischen den anglikanischen und der christkatholischen (altkatholischen) Kirchen.
Pfr Ruedi Heinzer AGCK-CH


Sehr geehrte Bischöfe
Liebe Schwestern und Brüder in Christus

ich darf Ihnen gewissermassen unter zweierlei Hüten herzliche Grüsse und Segenswünsche zu Ihrem Jubiläum überbringen.
Zum einen grüsse ich Sie herzlich als Präsident und im Namen der Arbeitsgemeinschaft der Kirchen in der Schweiz, AGCK-CH. Die Christkatholische wie auch die Anglikanische Kirche der Schweiz sind aktive Mitglieder dieser Arbeitsgemeinschaft.
Zum ändern grüsse ich Sie vom Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK, in dem die reformierten und niethodistischen Kirchen unseres Landes zusammenarbeiten.

Das Jubiläum des Bonn Agreement ist für die aktuelle ökumenische Situation in der Schweiz von grösserer Bedeutung als man auf den ersten Blick vermutet. Einem Freund, der Ihre beiden Kirchen kennt, erzählte ich gestern, dass Sie volle Kirchengemeinschaft hätten seit 75 Jahren. Er sagt: Ja, das ist keine grosse Kunst, die sind ja so ähnlich. Die haben beide alles, ausser dem Papst. Ich bin ein Freund kurzer Definitionen, aber ich meine, dazu sei doch noch etwas mehr zu sagen.
17 Jahre vor der Gründung des Ökumenischen Rats der Kirchen haben Ihre beiden Kirchen "full communion" beschlossen. Und das hiess nun nicht, dass die Altkatholiken das Book of Common Prayer übernehmen und die Anglikaner ihren Erzbischof von Canterbury nach Dartmoor schicken mussten. Volle Kirchengemeinschaft verlangt von den beteiligten Kirchen nicht, dass sie Lehrmeinungen, sakramentale Frömmigkeit oder liturgische Praxis von der anderen übernehmen. Aber Ihre Kirchen anerkennen einander ohne Vorbehalt, und Sie öffneten Ihre sakramentale Gemeinschaft füreinander.
Das ist m.E. ein bahnbrechendes Modell für Ökumene, das im Wesentlichen auch von der evangelischen Leuenberger Kirchengemeinschaft übernommen wurde mit dem Schlüsselwort "versöhnte Verschiedenheit*.

Ich nenne Ihre Kirchengemeinschaft "bahnbrechend", auch weil sie eine theologische Sprachregelung gefunden hat, die zukunftsfähig ist: "Full communion". Volle Kirchengemeinschaft als Ziel der Ökumene finde ich entschieden besser als das von der Römischen Kirche und leider neuerdings auch vom Ökumenischen Rat diskutierte Motto der "vollen sichtbaren Einheit" der Kirche. Die Einheit der Kirche ist ein Glaubensartikel. Wir bekennen im Credo: Ich glaube an die Heilige Katholische Apostolische Kirche. Diese Einheit besteht in Christus und ist a priori unsichtbar. Die Einheit der Kirchen muss nicht hergestellt, sondern geglaubt werden. Aber wir haben den heiligen Auftrag, unsere Gemeinschaft wieder herzustellen. Das Ziel heisst also, wie bei Ihnen, "full communion". Volle Kirchengemeinschaft ist dann auch ein wenig sichtbar. Mal sieht man sie, wie heute, mal sieht man sie eben nicht. "Sichtbar" ist theologisch kein brauchbares Wort.
Das Bonn Agreement ist aber auch sonst bahnbrechend. Es besteht aus drei Sätzen.
Liebe Schwestern und Brüder, da kommen mir fast die Tränen. Drei Sätze, die nicht einmal eine halbe A-4-Seite füllen, begründen volle Kirchengemeinschaft zwischen unterschiedlichen Kirchen, die sich jede selber als katholisch versteht und die andere als katholisch anerkennt! Diese drei Sätze erfüllen mich mit lebendiger Hoffnung für die Ökumene. Danke, dass Sie dieses Jubiläum feiern!


© 2006 Ruedi Heinzer
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